12. Oktober – Die Felsenkirchen von Lalibela

Nach einer – trotz der harten Matratze – guten Nacht ziehen wir gegen halb neun los – nochmal rund 7 Kilometer bis nach Arbit, einen Ort an der Hauptstraße. Dort verabschieden wir uns von den Eselstreibern und ihren Tieren und werden im Minibus nach Lalibela gefahren. Die ersten Kilometer bis zur Abzweigung in Gashena sind harmlos – dann geht es rund 20 km eine unbefestigte Straße hinunter in die Ebene. Die Straße wird wohl gerade befestigt und soll schon bald asphaltiert werden. Aber jetzt werden wir noch gut durchgeschüttelt.

Lalibela liegt ein ganzes Stück den Berg hinauf. Und auch diese Straße ist noch nicht asphaltiert, obwohl Lalibela der touristische Hotspot in Äthiopien ist. Wir werden noch einige Touris zu Gesicht bekommen!
Bald sind wir am „Lalibela Hotel“, wo wir eine Nacht gebucht haben. Leider ist das Zimmer noch nicht fertig und wir gehen zuerst etwas essen, bevor wir uns nach zwei Tagen endlich wieder duschen können. Freilich ist die Dusche recht landesüblich.

Dann kommt Henok, ein Freund unseres Guides in den Bergen, Estefanos. Mit ihm wollen wir die berühmten Felsenkirchen von Lalibela besichtigen.
Wir fahren mit einem Bajaj zu dem von der UNESCO üppig ausgestatteten Ticket-Office. Wir bezahlen unsere 50 USD pro Person – ein stolzer Preis!
Dann werden wir zunächst dem Museumsführer übergeben, der uns Devotionalien aus 11 Jahrhunderten zeigt. Wirklich beeindruckend die Handschriften. Fotografieren darf man nicht, aber dem Führer ein Trinkgeld geben.

Endlich die erste Kirche, die König Lalibela (der Name bedeutet „Honigschlecker“ und verbindet ihn mit einer der unzähligen Sagen rund um die äthiopischen Könige) aus dem Felsen hat schlagen lassen. Je nach religiöser Orientierung kann man glauben, dass ihm dabei 11 Engel geholfen haben – oder 40 000 Arbeiter mit schaufelartig geformten Hacken die Kirche aus dem vollen, vulkanischen Tuff-Gestein herausgearbeitet haben.
Mittlerweile sind einige der Kirchen mit monströsen Schutzdächern versehen. Die UNESCO hat sie von 10 Jahren bauen lassen, um das Weltkulturerbe vor dem Regen zu schützen. Doch die Äthiopier sind von dieser Verschandelung ihrer Hauptsehenswürdigkeit alles andere als begeistert. Sie fordern – kürzlich sogar mit Demonstration und Streik der Fremdenführer – dass die Dächer der Felsenkirchen bauchemisch versiegelt werden und die unförmigen Dächer verschwinden. Man kann es verstehen.

Hässliche Abdeckung – Ugly shelter

In der ersten Kirche, Bete Medhane Alem, bekommen wir gerade noch das Ende einer Andacht mit.

Natürlich muss man vor dem Betreten der Kirchen die Schuhe ausziehen. Wir haben mal wieder keine Strümpfe angezogen und müssen nun mit bloßen Füßen über die Teppiche in der Kirche, auf denen die internationale Vereinigung der Fußpilze eine Versammlung abhält. Am Abend ist daher Fußpilz-Creme angesagt. Bisher ist es gut gegangen…

Besonders beeindruckend der „Dunkle Tunnel“, der zwei Kirchen miteinander verbindet. Angeblich soll die Herrscherfamilie ihn genutzt haben, um von ihrer Residenz unerkannt von den Untertanen zum Gottesdienst zu gelangen.

Schließlich kommen wir zum Wahrzeichen der Lalibela-Kirchen, Bete Giyorgis.

Annette kannte die Kirche natürlich schon von zahlreichen Bildern – und ist von der bescheidenen Größe des Bauwerks frustriert. Das soll die Kirche sein?

Wir steigen hinunter, erfahren von Henok, unserem Führer, einiges über den Bau – es soll die letzte Kirche gewesen sein, die König Lalibela hat in den Fels hauen lassen – und den Hintergrund des kreuzförmigen Kirchenschiffes.

Kurz vor dem Ende unserer dreistündigen Tour kumuliert hier auch das Interesse der Touristen. Eine deutsche Wandergruppe verbrüdert sich fotografisch mit vier Frauen aus Addis, irgendwann fotografiert jeder jeden.

Nun haben wir auch die touristische Hauptattraktion Äthiopiens gesehen. Morgen geht es wieder zurück nach Addis Abeba – und am Sonntag weiter nach Kairo, bevor wir in einer Woche schon wieder zu hause sind…

 

 

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