26. September – Wasserfall – Kloster und ein Freudenfeuer zu Meskal

An diesem Mittwoch ist so viel passiert, dass wir überhaupt nicht zum Schreiben gekommen sind. Erst heute, schon in Gonder, können wir – und auch das erst nach 22:00 Uhr – weiter schreiben.

Morgens gibt es Frühstück, das wir gemeinsam mit Lena aus Tübingen einnehmen. Ihr Freund, mit dem sie unterwegs ist, hat eine böse Darmverstimmung und bleibt im Bett. Sie berichtet, was die beiden bisher erlebt haben – und dann macht sie sich auf zum Wasserfall des Blauen Nils, der etwa 40 Kilometer entfernt den Flusslauf unterbricht.

Auch wir werden zu unserer Fahrt abgeholt. Ein paar Kilometer geht es von Bahir Dar noch auf Asphalt weiter, dann folgen rund 30 Kilometer unbefestigte Straße. Der Fahrer nennt es „african massage“, afrikanische Massage, denn man wird kräftig durchgerüttelt.

Straße zum Wasserfall – wer hat Vorfahrt?

In dem kleinen Dorf Tis Abay halten wir an. Es werden pro Person 150 Birr Eintritt und nochmal 300 für den Führer fällig. Juju ist ein sehr gut englisch sprechender Guide und führt uns den längeren Weg zum Wasserfall.

Erst geht es über eine steinerne Brücke, die „portugiesische Brücke“, gebaut von Missionaren. Immer wieder kommen uns Gruppen und einzelne Bauern meist mit bepackten Eseln entgegen, die zum Markt nach Tis Abay wollen.

Unterwegs zum Markt

Es geht ziemlich steil nach oben – aber dann können wir den Wasserfall erst hören und dann auch sehen. Ein wirklich beeindruckendes Naturschauspiel!

Wir wandern in einem weiten Bogen um die hinabstürzenden Wassermassen herum – über eine Hängebrücke. Und auch hier treiben die äthiopischen Bauern ihre Esel hinüber – ob sie wollen der nicht.

Auch der Esel muss über die Hängebrücke

Kurz hinter der Brücke ist eine kleine Siedlung – und hier spielt ein Musikant auf der traditionellen Geige. Wir nehmen ihn auf – und er bekommt natürlich Geld dafür. Wendelin gibt ihm zunächst 20 Birr, aber er hat die 50 Birr-Note schon in der Tasche entdeckt – und sagt, na, 50 wären besser. Wendelin gibt ihm die 50 Birr – und verdirbt damit für heute die Preise. Denn der Führer, der wirklich deutlich mehr geleistet hat, als der Musikant, will am Ende 200 Birr als Trinkgeld (oder Tipp, wie es international genannt wird). Egal, wir sehen den Wasserfall nun nochmals ganz von Nahem, ehe wir mit einem kleinen Boot wieder oberhalb der Fälle über den Blauen Nil gelangen und schließlich nach einer Wanderung am Fluss entlang von unserem Fahrer wieder aufgegabelt werden.

Wunderschöne Landschaft am Blauen Nil

Zum Lunch sind wir wieder mit dem zweiten Tour-Operator verabredet. Es geht um den Preis für ein Auto mit Fahrer bis nach Axum. Wir haben uns entschieden, doch einen privaten Wagen zu nutzen, denn damit sind wir deutlich flexibler. Es ist aber eine ziemliche Feilscherei und Rechnerei, ehe wir uns für einen der Anbieter entscheiden. Letztendlich tun sich die Preise nicht viel und wir beauftragen Zelalem mit dem Auto. Nicht die beste Wahl, wie sich herausstellen wird, den das Auto ist zwar ok, aber der Fahrer spricht viel schlechter englisch als der von Gaschew, dem anderen Operator.

Wir brechen nach einer geteilten, mäßigen Pizza wieder auf, diesmal mit dem Boot zu zwei Klöstern in der Nähe. Es ist jedoch eine gute Stunde Fahrt über den recht unruhigen Lake Tana.

Auf dem Lake Tana, dem drittgrößten See Afrikas

Für das Kloster ist ein weiterer Guide notwendig (300 Birr) und die Klöster kosten jeweils 150 Birr Eintritt pro Person. Wir besuchen zunächst das Kloster Ura Kidane Meret. Die etwa 1,5 Kilometer von der Anlegestelle bis zum Klostereingang sind gespickt mit Souvenirverkäufern – und wir kommen gar nicht aus dem freundlichen Ablehnen mit der Formel „Ahme Seke Nahlu“ (Dankeschön) heraus.

Annette kauft schließlich noch einen Schal aus Seide, doch das Feilschen ist schon schwierig, denn beginnt man einmal mit dem Handeln, kommt man aus der Nummer nicht wieder raus und endet meist bei etwa 60 % – 70% des ursprünglich genannten Preises. Wenn einem der zu hoch erscheint, darf man gar nicht erst anfangen. Aber es macht auch keinen Sinn, noch die letzten 10 Birr (30 Eurocent) heraus zuverhandeln. Die Leute leben schließlich von dem Verkauf.

Das Kloster Azuwa Maryam

Die Klöster sind eindrucksvoll, vor allem das erste, wo die Messe zum Vortag des Meskal- Festes noch im Gange ist. Die Gläubigen verneigen sich, der Pope singt, wir lernen, dass es einen Umgang gibt, in dem Gesungen wir, einen inneren, der dem Gebet vorbehalten ist und das Allerheiligste, das nur von den Priestern betreten werden darf. Dort wird eine Kopie der Bundeslade mit den 10 Geboten aufbewahrt.

Die Leinwand um das Allerheiligste – von namenlosen Mönchen bemalt

Das „Allerheiligste“ ist umgeben von einer Wand aus Leinen, die über und über mit biblischen – alt- wie neutestamentarischen – Szenen bemalt ist.

Die Steinglocken sind nicht mehr in Betrieb

Früher riefen die Popen mit diesen „Steinglocken“ zum Gebet. Sie klingen tatsächlich ein bisschen nach Glocke.
Das Kloster Azuwa Maryam, 5 Bootsminuten entfernt, unterscheidet sich nur geringfügig vom ersten…

Abends steht uns noch ein besonderes Erlebnis bevor: Das Freudenfeuer zum orthodoxen Meskal-Fest. Es gibt ein besonderes Gelände dafür, etwa 10 000 Gläubige aus der Stadt und der Umgebung, vor allem die Frauen mit prächtigen, überwiegend weißen Festtagskleidern, haben sich versammelt und folgen den Ritualen auf einer Bühne, wo mehr als 100 Priester und Popen beten, singen und segnen.

Warten auf as Freudenfeuer

Es ist das Fest des „wahren Kreuzes“ und es wird die Wiederauffindung des Kreuzes Jesu gefeiert. Überall in den Städten gibt es solche großen Feiern – aber auch zahllosen kleinere. Und viele der Menschen sind wirklich toll anzusehen.

Alt und Jung für das Meskal-Fest fein gemacht

Das Fest gipfelt in einem lodernden Feuer, das von allen mit Jubel begrüßt wird. Wir stecken in Mitten von Tausenden Äthiopiern, die ausgelassen tanzen und feiern.

Endlich – das Feuer brennt!

An diesem Tag fallen wir ohne Schreiben um 22:00 Uhr ins Bett….

 

 

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