30. September – In den Simien Mountains – 12,5 Kilometer wandern auf 3200m Höhe

Die Nacht in der Wolya Lodge war weniger kalt als erwartet. Um halb sieben klingelt der Wecker (das ist 5:30 Uhr in Deutschland…). Duschen wird auf den Abend verschoben. Leider braucht das Frühstück so lange, dass wir erst um 10 nach 8 loskommen.

Wir fahren etwa 15 Kilometer aus Debark heraus, die unbefestigte Straße führt am Gate vorbei zur Simien Lodge. Einen Kilometer weiter ist der Startpunkt unserer Wanderung. Und schon hier ein atemberaubender Blick auf die Abbruchkante des Gebirges.

Von hier aus geht es nun zu Fuß weiter – doch schon nach wenigen hundert Metern treffen wir auf eine Horde Paviane. Es sind nicht die mit den roten Popo, die Männchen haben stattdessen eine kahle Stelle auf der Brust, die man als roten Fleck erkennt. Sie heißen Gelada Baboons und sind – im unterschied zu ihren rotärschigen Verwandten – überhaupt nicht aggressiv.

Dann wandern wir eine ganze Zeit an der Abbruchkante entland. Immer wieder sieht man auf die weiten, etwa 300 – 400 Meter tiefer liegenden Hügel hinunter, die von gelben Verbenen-Feldern bedeckt sind.

Aber auch auf dem Hochplateau st Blütenzeit – wir haben eine gute Zeit für den Besuch gewählt. Überall sprießen Blumen – von gelb über lila, weiß und pink bis zu den schillernden
Fackellilien.

Zu Beginn der Wanderung kommen wir an einem Dorf vorbei, die Kinder lauern den Touristen auf. Sie bieten kleine runde Behältnisse an und hoffen auf das Geschäft des Tages.
Wir kaufen einem Mädchen zwei ihrer Arbeiten ab – und sie lässt sich dafür bereitwillig fotografieren.

Der Weg steigt immer mal wiueder an – und uns geht die Pumpe, denn auf 3200m ist die Luft schon ganz schön dünn. Aber wir halten wacker durch und bis auf ein kleines Stück wandern wir den ganzen Weg über 12,5 Kilometer durch. Aber Abends sind wir platt!

Weiter geht es nach Sankaber, einer kleinen Ansiedlung, in deren Nähe die Hard-Core Hiker, die Wanderer mit mehr Ehrgeiz als wir in Zelten übernachten. Oder im Massenquartier. Wir sind froh, dass der einsetzende Regen schnell wieder vorbei geht und wandern nach kurzer Fahrt auf der Straße weiter.

Wer in den Park will, benötigt einen Scout. Das ist ein bewaffneter Mann, wir hatten einen nahezu gleichaltrigen. Er soll die Touristen vor wilden Tieren (die es im Park nicht wirklich gibt) und Anschlägen schützen (von denen im Park seit dem Ende des Bürgerkrieges nichts zu spüren war). Es ist wohl eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Unser Scout jedenfalls schleppt sein Maschinengewehr wacker durch die Landschaft.

Das Highlight des Tages ist der Jinbar – Wasserfall, der rund 500 Meter in die Tiefe stürzt. Die Abbruchkante ist an dieser Stelle so hoch, dass der Kölner Dom gleich zweimal übereinander Platz hätte.

Danach geht es den ganzen Weg mit dem Wagen zurück. Wir nehmen noch einen Einheimischen mit, der vom weiten Laufen schon völlig erschöpft war – und uns geradezu anfleht, ihn mit fahren zu lassen.

Am Abend gibt es noch Nudeln mit Tomatensoße – die Welya Lodge hat zwei neue Gruppen aufgenommen, ein italienisches und ein israelisches Paar, mit denen wir noch Erfahrungen austauschen.

Morgen geht es nochmal los…

 

 

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