3. Oktober – Die alte Königsstadt Aksum

Gestern waren wir noch organisierend unterwegs: Für heute haben wir eine Halbtages-Tour mit Mehari vereinbart. Den Guide hat uns der Herr an der Rezeption vermittelt. Dann sind wir mit dem Bajaj zu Haile gefahren, eine Empfehlung von Andrea aus Debakr. Er will uns den Transport nach Adigrat organisieren. Entweder findet er ein Regierungsauto, dessen Fahrer sich ein paar Birr neben her verdienen will – oder sonst einen – wie er sagt – privaten Minibus.

Heute morgen war Mehari mit seinem Freund, dem Bajaj-Fahrer, pünktlich zur Stelle und wir fuhren die Hauptstraße von Aksum Richtung Westen zu einem ziemlich neuen und aufwändig gestalteten Komplex. Es ist das Büro und Ticketoffice für die Sehenswürdigkeiten in Aksum, immerhin seit langem Weltkulturerbe. Das schicke Gebäude war bestimmt ein Teil der Entwicklungshilfe.
Dann besichtigen wir zuerst das Steelenfeld. Die etwa 30 Meter hohen Säulen sind Monolithe, das heißt, sie sind aus einem Stück geschlagen worden. Noch roh, das heißt ohne die zahlreichen Gravuren der Oberflächen, hat man die bis zu 300 Tonnen schweren Granitsäulen dann von dem etwa 5 km entfernten Steinbruch hier auf das Steelenfeld gebracht. Wie die Axumiter dies im 3. und 4. Jahrhundert n.Chr. geschafft haben, ist noch nicht wirklich klar. Wahrscheinlich einfach mit einer großen Anzahl Menschen, Muskelkraft und angeblich auch Elefanten.

Die größte der Steelen liegt in mehrere Teile gebrochen quer über den Platz. Man nimmt an, dass sie bereits beim Versuch, sie aufzurichten, umgefallen und auseinandergebrochen ist. Das Fundament war wohl zu schwach und der riesige Turm – rund 500 Tonnen schwer – kippte. Da möchte man nicht dabei gewesen sein.

Die Steelen waren überdimensionale Grabsteine für die Könige von Aksum. Bald nach dem Übertritt der Axumiter zum orthodoxen Christentum stellten sie die Herstellung der Steelen ein. Es liegen noch zwei herum, die man einfach nicht zu Ende bearbeitet hat.

Unter dem zerbrochenen Riesen liegt das Grab eines der axumitischen Könige. Es hat insgesamt sechs Grabkammern. Charakteristisch für die axumitischen Gräber sind die massiven Steindecken und Türstürze. Sie müssen Meister der Granitbearbeitung gewesen sein.

Weiter geht es zu den Überresten des Palast der Königin Sheba. Man sieht nicht wirklich viel davon. Sheba – bei uns besser bekannt als die Königin von Saba – ist eine sagenhafte Königsgestalt, die vor rund 3000 Jahren von Aksum aus zu König Salomo nach Jerusalem gereist sein soll. Dort wollte sie die Weisheit des Königs kennen lernen. Sie hat wohl noch weiteres kennengelernt, dann bei der Abreise war sie schwanger. Zurück in Aksum habe sie den ersten, ebenfalls sagenhaften, König von Aksum, Menelik I zur Welt gebracht. So führten die äthiopischen Könige ihre Linie auf König Salomo zurück, bis 1974 Haile Selassie als letzter Herrscher gestürzt wurde.

In jedem Falle ist Aksum mit seinen zahlreichen archeologischen Stätten (es gibt noch ein weiteres Grab zu besichtigen sowie auch die erste orthodoxe Kirche des Landes und das Bad der Königin von Saba…) ein Zeugnis der langen Geschichte des Landes. Äthiopien liegt faktisch am Schnittpunkt verschiedener Kulturen, war Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Christen und Moslems. Es gibt in Äthiopien keine Kolonialgeschichte, die Okkupation durch das faschistische Italien blieb eine Episode von 5 Jahren.

Am Abend besuchen wir ein Lokal mit Gesang und Tanz und essen Injera. Die Beschallung in dem Lokal würde bei uns sofort stillgelegt, sie macht locker 100 dBa und man verständigt sich mit den Kellnern via Handzeichen. Nach dem Reiben von Daumen und Zeigefinger erhält man überall auf der Welt die Rechnung.

Morgen wird es hart: Der organisierte Minibus wird „sharp“ 6 Uhr vor dem Hotel stehen, wir müssen um 5 Uhr raus.

 

 

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