28. September – In Gonder – Besichtigen und Organisieren

Heute morgen gehen wir nach dem Frühstück gemeinsam mit Christina und Daniel, unseren spanischen Bekannten, zum „Gemp“, dem 70.000 qm Burgbezirk in Gonder.
Der Burgenkomplex ist zwischen dem 17. und dem 18. Jahrhundert entstanden – eine endlose Abfolge von Kaisern, die sich gegenseitig umgebracht haben. Bis zu Kaiser Fasiladas, dem Namensgeber der wichtigsten Paläste, zogen die äthiopischen Kaiser mit Sack, Pack und Hofstaat durch die Lande, weil sie so die Fürsten und sonstigen Vasalen besser unter Kontrolle hatten. Irgendwann wurde ihnen das Campingleben, besonders in der Regenzeit zu viel und Fasiladas ließ sich in Gonder nieder und ließ mit Unterstützung der portugisischen Missionare den ersten Palast errichten.

Es ist eine beeindruckende Ansammlung von Herrschaftsbauten, die als Weltkulturerbe anerkannt ist und von der UNESCO gepflegt wird.
Näheres z.B. auf Wikipedia.

Die Tour mit dem spanischen Pärchen war sehr amüsant, besonders Wendelins bemühen, die Reste seines Spanisch zusammenzufegen. Christina müht sich mit dem englischen ab, und Wendelins radebrechen ermutigte sie,englisch zu sprechen. Glauben wir jedenfalls.

Annette, Christina, Mohammed, unser Führer und Daniel aus Saragossa

Weiter geht es zur Kirche Debre Birhan Selassie aus dem 17. Jahrhundert – dort findet gerade eine orthodoxe Andacht oder Predigt statt, die Touristen stampfen zwischen den Gläubigen hindurch, die sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Kirche Debre Birhan Selassie. Es soll „Die Wahre Dreifaltikkeit“ heißen.

Schließlich noch das Wasserschloss des Fasilades – das leider nur einmal im Jahr, nämlich zu Epiphanes, dem Fest der Taufe Christi, wirklich von Wasser umgeben ist. Dort sollten, so hat es Fasilides befohlen, die Feierlichkeiten stattfinden.
Mohammed, der muslimische Guide, erzählt von einem Brauch zu Epiphanes – das nämlich junge Männer den begehrten Mädchen ene Zitrone zuwerfen. Lassen die die Zitrone liegen, wird es nichts. Wenn sie sie zurückwerfen, kann man nochmal anfragen…
Nur sollte man mit der Zitrone auch die richtige Dame treffen, sonst könnte es peinlich werden.

Wasserschloss, um diese Jahreszeit mit trockenen Füßen…

Nachmittags haben wir uns bemüht, die weiteren Stationen zu organisieren, was nicht so einfach ist. Wir hoffen, in den nächsten Tagen Wanderungen in den Simien-Mountains machen zu können.

Endlich hat auch der junge Mann von Tesfa-Tours geantwortet, aber die Wanderung ist jetzt doch recht teuer. Also alles nicht stromlinienförmig – aber weiter interessant. So wie die Statue von Kaiser Thewodros II auf dem zentralen Platz in Gonder.

PS: Morgen fahren wir in die Simien Mountains – und wissen noch nicht, wie es da um die Internet-Anbindung bestellt ist. Vielleicht können wir erst in Axum wieder schreiben.

 

 

2 Gedanken zu „28. September – In Gonder – Besichtigen und Organisieren“

  1. Hallo aus Zündorf und Dank für die farbige Berichterstattung! Mir fiel auf, daß Ihr offenbar keine Bettler angetroffen habt. Ich war zwischen 1964 und 1994 viermal in Äthiopien und jedesmal sah ich dort Horden von Bettlern, die auch recht aggressiv werden konnten. In Malawi pflegte die Regierung die Bettler in Blantyre auf Lkws zu laden und irgendwo im Busch „wegzukippen“. (Wie) haben die Äthiopier das Bettlerproblem gelöst? Weiterhin gute und sichere Reise! Matthias.

    1. Hallo aus Debark!
      Natürlich gibt es hier Bettler, wie in jedem Entwicklungsland, und übrigens auch auf der Hohen Straße in Köln. Freilich keine Horden. Und natürlich werden weiße Touristen angehauen. Wir geben nie an Kinder, aber stets an Versehrte, von denen es auch heute noch viele gibt und an FRauen mit Kindern. Wir geben immer einen oder auch mal fünf Birr (das sind 3 Cent oder 15). Das gehört dazu und wir sind von vielen Reisen in Entwicklungsländer daran gewöhnt. Gegenüber meiner Reise 1991 nach Äthiopien gibt es aber tatsächlich weniger Bettler. Gerne berichten wir nach Rückkunft.

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